Der 1964 Cadillac entsteht

1964 war für Cadillac wieder ein durchaus erfolgreiches Jahr. Und in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes.

 

Auf einen ersten, schnellen Blick sehen sich die Baujahre 1963 und 1964 sehr ähnlich. Beim zweiten und dritten Blick entdeckt man sehr viele Unterschiede, die sich über das komplette Modell ziehen. Angefangen über den Kühlergrill, der 1963 noch eine Chromspange statt einem lackierten Balken besaß. Die Blinker waren keine runden, aufgesetzten Gläser mehr, sondern mit Chromgittern versehen unter die Hauptscheinwerfer integriert. Der Heckabschluss war 1963 noch komplett gerade abgeschnitten und die Flossen noch ein kleines Stück größer.

Das Instrumentenbrett sieht ebenfalls fast identisch aus. Aber eben nur fast. So ist es zu den Türabschlüssen rechts und links 1963 noch gerade und hat über dem Tacho eine kleine Sicke, 1964 verlaufen die Abschlüsse in einem leichten Bogen in die Türverkleidungen hinein.

 

Fast alle Zierleisten sind leicht anders gestaltet als 1963 und somit nicht austauschbar. Viel interessanter ist, was sich unter der Haube abspielt. Der für das Modelljahr 1963 komplett neu entwickelte Motor wurde 1964 gleich auf 7 Liter Hubraum erhöht und leistete nun statt 325 (SAE-)PS, mit seinem Vierfach-Vergaser stattliche 340 (SAE-) PS bei 4.000/Umin mit einem maximalen Drehmoment von 470 N m bei 3.000/Umin.

Ab den De Ville Modellen gab es das neue Turbo-Hydramatic Automatikgetriebe serienmäßig. Das normale Hydramatic-Getriebe, das von Rolls-Royce in Lizenz nachgebaut wurde, hatte man für 1964 mit einem verstärkten Rückwärtsgang und effizienterer Kühlung ausgestattet.

Die Turbo-Hydramatic übertraf das alte normale Getriebe noch einmal in allen Punkten und war durch den großzügigen Einsatz von Aluminium auch noch 76 Kilogramm leichter. Interessant und neu war auch der neue eingebaute Konvertor, der mit einem Ventil auf Höhen- und Druckveränderungen reagierte.

 

Durch einen vereinfachteren Aufbau mit einem Planetengetriebe, der mit dem Drehmomentwandler verbunden wurde, konnten die hohen Produktionskosten gesenkt werden.

Mit dieser Kombination von Neuerungen waren die Fahrleistungen auf damaligem Sportwagen-Niveau!

 

Leistung? Über die spricht man bei Cadillac nicht, man hat sie!

 

Diese Werte kamen nicht von Cadillac selbst, sondern wurden durch einschlägige Autozeitschriften bewiesen. Sowohl „Motor Trend“ im März 1964 als auch „Car Life“ im Juli 1964 maßen mit einem Sedan de Ville nur 8,5 Sekunden von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h)! Beeindruckend ist auch die Höchstgeschwindigkeit von 195 km/h (121 mls/h). Die Viertelmeile schaffte der Cadillac in 16,4 Sekunden und 86 Meilen pro Stunde (138 km/h). Der 1964 neu vorgestellte Porsche 911 2.0 hatte sogar eine leicht geringere Beschleunigung von 0 auf 100 Km/h!

 

Die Presse war nicht nur von der Leistung begeistert. Beide Zeitschriften lobten das neue Modell in höchsten Tönen und bescheinigten seine Überlegenheit gegenüber Lincoln und dem Chrysler Imperial in fast allen Punkten. Motor Trend ging sogar so weit, dem neuen Cadillac nach ausgiebigen Tests das beste Preis-/Leistungsverhältnis gegenüber weltweit allen Luxusfahrzeugen zu bescheinigen. Selbst das US-Fahrzeugen gegenüber äußerst kritische englische Fachmagazin „The Autocar“ schließt sich im August 1964 bei einem Test des Coupé de Ville den amerikanischen Kollegen an. Ehrenvollerweise ging man sogar so weit, den Jahrgang mit den Einzylinder-Cadillac des (Bau-) Jahres 1905 zu vergleichen. Damals die Referenz für Präzision und Perfektion im Automobilbau.

 

In einem Punkt waren sich allerdings alle einig: Die vier Trommelbremsen waren trotz einer Bremsfläche von 2.438 cm² unzureichend. Sie waren den Fahrleistungen nicht angemessen. Umso begeisterter waren die Tester allerdings von der weltweit ersten automatisch geregelten Klimaanlage „Comfort Control“. Einmal die Temperatur eingestellt, hält sie Sommer wie Winter immer die gleiche Temperatur.

Die Kunden sahen das alles genauso. Mit 165.959 Exemplaren bescherte das Modell-Jahr 1964 Cadillac einen neuen Rekord. Und das trotz der umfangreichen Erneuerungen auf dem gesamten Firmengelände.

 

Am 4. November 1964 konnte Cadillac mit dem neuen 65er Modell das dreimillionste Fahrzeug feiern.

 

Für viele ist der 1964er Cadillac eines der schönsten und elegantesten Modelle. Die letzte, perfekt in das Design integrierte Flosse faszinierte glücklicherweise auch den Vorbesitzer meines Fleetwood Sixty Special, den dieser hegte und pflegte. So habe auch ich jedes Mal viel Freude, wenn ich einsteige und den Zündschlüssel drehe.

 

Quellen: Motor Trend, Car Life, General Motors